Antwort auf die US Executive Orders: QBN-Impulspapier fordert industrielles Framework für die europäische Quantensouveränität

17 July, 2026 11:52 am
QBN Impulspapier – Deutsche Quanten Souveränität und Marktaufbau nach den US Executive Orders

Die USA machen Ernst. Mit den am 22. Juni 2026 unterzeichneten Executive Orders (EOs) 14413 und 14409 treiben sie den Marktaufbau und die Post-Quanten-Migration mit enormer Geschwindigkeit voran. Quantentechnologien sind dort längst kein reines Forschungsthema mehr, sondern werden konsequent als strategische Infrastruktur und Frage der nationalen Sicherheit behandelt.

In Europa drohen wir derweil, den Anschluss zu verlieren. Während wir uns in kleinteiliger Grundlagenförderung und bürokratischer Trägheit verlieren, gerät unser Ökosystem massiv unter Druck. Unser jüngstes QBN-Positionspapier zeichnet ein alarmierendes Bild direkt aus der industriellen Praxis:

  • 60 % der europäischen Quantenunternehmen prüfen derzeit aktiv Finanzierungsoptionen außerhalb Europas.
  • 43 % der Unternehmen hängen existenziell von außereuropäischen Komponenten ab.
  • 70 % der Akteure sehen akute operative Risiken für ihr Geschäft am Standort.

Wir stehen vor einer historischen Weichenstellung. Um eine schleichende Abwanderung unserer Schlüsselindustrien zu verhindern, fordert QBN einen radikalen Paradigmenwechsel im deutschen und europäischen Förder- und Beschaffungsmodell.

Die 4 Kern-Handlungsfelder für den Standort

1. Tempo & Kapital: Agilität statt Bürokratie

Lange, unvorhersehbare Entscheidungszyklen lähmen unsere Innovationskraft. Wir fordern die Einführung von schnellen 3-Monats-Förderentscheidungen für strategische Deep-Tech-Projekte sowie staatlich unterstützte Deeptech-Matching-Fonds, um privates Wachstumskapital zu mobilisieren. Anstelle von reinen Zuschüssen müssen unbürokratische Eigenkapitalbeteiligungen an etablierten Playern die Regel werden.

2. Marktlogik: Der Staat als Ankerkunde

Das Gießkannenprinzip hilft uns nicht weiter. Es nützt dem Standort wenig, Dutzende Startups mit Kleinstbeträgen zu subventionieren, wenn am Ende keine echten Aufträge entstehen. Der Staat muss als Ankerkunde (Anchor Customer) auftreten. Wir brauchen beschleunigte öffentliche Ausschreibungen für reale Quantenhardware an HPC-Zentren und eine gezielte Einbindung des Dual-Use- und Verteidigungssektors.

3. Souveränität bei Hardware & Lieferketten

Die extreme Abhängigkeit von außereuropäischen Komponenten macht uns anfällig für geopolitische Blockaden. Wenn europäische Lösungen preislich und zeitlich nicht wettbewerbsfähig sind, weichen Akteure auf Drittstaaten aus – wie die jüngste Entscheidung der Universität Malaga zeigt, einen chinesischen Quantencomputer zu installieren. Wir müssen europäische Lieferketten für Schlüsselkomponenten absichern, strenge Souveränitäts-Klauseln für geförderte IP einführen und konsequent technologieoffen bleiben.

4. Außenwirtschaft, Exportkontrolle & Flankierung vor Ort

Quantentechnologie ist ein politischer Markt. Während andere Nationen ihre KMUs bei Auslandsmessen auf Botschaftsebene und durch hochkarätige diplomatische Empfänge unterstützen, kämpfen deutsche Unternehmen oft auf sich allein gestellt. Die Außenwirtschaftsförderung im Deep-Tech-Sektor muss zur Chefsache der Auslandsvertretungen werden. Zudem muss das BAFA in die Lage versetzt werden, transparente und fördernde Unterstützung bei Exportkontrollen zu leisten.

Der unterschätzte Hebel: Die PQC-Migration

Wir dürfen die Hardwarerivalität (EO 14411) nicht isoliert von der Post-Quanten-Migration (EO 14409) betrachten. Die PQC-Umstellung schafft überhaupt erst den Markt, den neue Hardwaretechnologien bedienen.

  • Richtlinie vs. Budget: Das BSI setzt zwar richtige Fristen für 2030 und 2032, doch ohne gekoppelte, milliardenschwere Beschaffungsoffensiven des Staates entstehen keine Märkte. Wir brauchen dedizierte Sonderbudgets für den öffentlichen Sektor.
  • Kryptographische Souveränität: Das BSI fordert zu Recht hybride Migrationspfade, während die USA auf reine PQC-Lösungen drängen. Wenn wir heimische Anbieter jetzt nicht durch staatliche Aufträge stärken, zwingt der US-Sog unsere Dienstleister zur Anpassung – und wir verlieren die Kontrolle über unsere Verschlüsselungsstandards.

Partnerschaft auf Augenhöhe statt passiver Rolle

QBN bekennt sich ausdrücklich zur transatlantischen Zusammenarbeit. Mit unseren strategischen Brückenköpfen bauen wir die notwendigen kommerziellen Kanäle zu unseren internationalen Partnern auf. Kooperation darf für Europa jedoch nicht bedeuten, sich passiv in fremde Lieferketten einzufügen oder ausländische Standards ungefiltert zu übernehmen.

Wir müssen diese Partnerschaft aktiv, selbstbewusst und im Sinne unserer eigenen Interessen mitgestalten. Nur wenn wir internationale Zusammenarbeit und den Schutz europäischer IP konsequent zusammendenken, bleibt Europa ein souveräner Partner auf Augenhöhe – anstatt zum bloßen Talent-Inkubator und Technologie-Importeur zu werden.

 

Das Impulspapier zum herunterladen:

QBN Impulspapier – Deutsche Quanten Souveränität und Marktaufbau nach den US Executive Orders
QBN Impulspapier Deutsche Quanten Souveränität und Marktaufbau nach den US Executive Orders

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